Zu Neujahr

Zu Neujahr

 

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

 

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Wilhelm Busch (1832 – 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller

 

Jahresendrallye

Jahresendrallye

Gestern hatte ich endlich Zeit, mich um unsere Küche zu kümmern. Und als ich so das Gewürzregal und alle anderen Schubladen und Schränke durchforstete, kam mir der Begriff „Jahresendrallye“ in den Sinn. Normalerweise bezeichnet er ja die turbulente Zeit an den Börsen kurz vor Weihnachten und die übliche Steigerung der Aktienkurse am Ende eines alten und zu Beginn eines neuen Jahres.

Ich finde ihn allerdings auch für meine momentane Stimmung passend: Ich nehme auch nochmal richtig Fahrt auf, um auf der Zielgeraden für 2025 meine Sachen durchzusehen und das zu Ende zu bringen, was offen geblieben ist. Das sind dann nicht die sentimentalen Sachen, über deren Verbleib ich Entscheidungen treffe. Hier geht es einfach darum, „klar Schiff“ zu machen und die Dinge wegzuarbeiten. Die Leitfrage, die ich mir stelle: Ist es noch aktuell? Oder abgelaufen, unbrauchbar und überholt? Möchte ich es mit ins neue Jahr nehmen?

Die größte Kategorie ist definitiv der Papierkram (Kündigungen von Abos und Mitgliedschaften, Versicherungen, Freistellungsaufträge etc) , weil er unablässig ins Haus strömt und es Fristen einzuhalten gibt. In der Küche gehe ich auf die Suche nach allem, was doch langsam mal aufgegessen werden sollte. Früher habe ich immer auch noch einmal die Spielsachen und Kinderzimmer ins Visier genommen; inzwischen sind meine Kinder groß und kümmern sich selber um ihre Sachen.

Meine Motivation: Ich möchte Weihnachten frei haben und die schöne Zeit zwischen den Jahren bewusst begehen, alle Räder einmal still stehen lassen und mich besinnen.

Das Minimalismus-Spiel

Das Minimalismus-Spiel

 

Kennst du das Minimalismus Spiel?

Ja? Nein? Noch nie davon gehört?

Vielleicht hast du ja im Oktober Lust, deinem Zuhause eine kleine Kur zu gönnen und es dir gemütlich zu machen. Hierfür ist das Minimalismus-Spiel genau richtig!

 

Wie es funktioniert

Die Spielregeln sind ziemlich einfach: Jeden Tag sortierst du eine steigende Anzahl von Gegenständen aus und trennst dich davon. Du kannst sie wegwerfen, verschenken, spenden oder was auch immer damit tun. Hauptsache sie verlassen dein Haus. Und am Ende eines Monats, sofern er 30 Tage hat, hast du 465 Gegenstände weniger Ballast um dich herum.

Was du aussortierst, bleibt dir überlassen: Ob Papierkram, Kleidung, Möbel, Bastelsachen etc. Und ob du Socken als 1 Paar zählst oder als 2 Socken kannst du auch ganz flexibel handhaben.

Der Beginn eines Monats eignet sich gut, dann kommst du mit dem Zählen nicht durcheinander. Also: am 1.Tag sortierst du 1 Gegenstand aus; am 2. Tag 2 Gegenstände, am 3.Tag 3 Gegenstände und so weiter. Bis du an Tag 30 auch 30 Gegenstände aussortierst. Dieses Vorgehen trainiert prima deinen Ausmist-Muskel und ist besonders für Leute hilfreich, die sich noch ein wenig schwertun, Dinge wegzugeben. Sie können sich langsam herantasten und täglich steigern.

 

Variante 2

Denjenigen, die nicht so viel Geduld haben und lieber wie ein Tornado durch ihre Wohnung fegen möchten, wenn es sie denn gepackt hat, empfehle ich die umgekehrte Reihenfolge: Am 1. Tag 30 Gegenstände, am 2. Tag 29 Gegenstände, am 3. Tag 28 Gegenstände und so weiter, bis am 30. Tag des Monats nur noch ein einziges Teil zu entrümpeln ist.

 

Variante 3

Es gibt auch noch eine dritte Variante, die mir persönlich am besten gefällt. Sie ist abwechslungsreich und wenn du Kinder hast, kannst du sie so auch ganz leicht mit einbeziehen Und zwar schreibst du die Zahlen 1 bis 30 auf kleine Zettelchen, faltest sie zusammen, steckst sie in ein Glas, einen Beutel oder in einen Hut und ziehst wie bei einer Tombola jeden Tag eines dieser Zettelchen. Und je nachdem was für eine Zahl erscheint, entsprechend so viele Gegenstände entrümpelst du an diesem Tag.

 

Erfunden haben das Spiel übrigens zwei Amerikaner, Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus, die als The Minimalists seit über zehn Jahren durch die Lande reisen und auf allen Kanälen sehr erfolgreich ihre Geschichten erzählen und ihre Botschaft verkünden.

 

Du must das Leben nicht verstehen

Du must das Leben nicht verstehen

 

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

 

Rainer Maria Rilke

 

 

2025

2025

Stufen

 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse