Ich packe meinen Koffer

Ich packe meinen Koffer

 

Mein Mann und ich haben diesen Sommer keine Reise geplant. Die Kinder sind selbständig unterwegs und wir waren im Juni mit dem VW Bus ein paar Tage in Südholland an der Küste. Dennoch ist das Thema „Koffer packen“ für mich ganz aktuell, helfe ich doch dem Nachwuchs bei den Reisevorbereitungen.

Kennst du noch das Merkspiel: Ich packe meinen Koffer und nehme mit … ? Reihum denkt man sich einen Gegenstand aus, der in den Koffer soll und der Nächste, der an der Reihe ist, muss alle Gegenstände wiederholen und fügt dann einen neuen hinzu. Wer sich die Sachen richtig merken kann, hat gewonnen. Ein simples Spiel, das man immer und überall spielen kann und das meistens sofort gute Laune bringt.

 

Das Alltagspackspiel

Ich habe dieses Spiel schon oft im Alltag gespielt und schon viele Koffer gepackt. Die erste Frage, die ich mir stelle, bevor ich überhaupt anfange zu überlegen, was ich einpacke, ist: Wo soll die Reise denn hingehen und wie lange bin ich unterwegs? In die Berge, ans Meer, zu einem 3-wöchigen Praktikum auf einen Bauernhof, etc.? Es folgen: Wie ist das Wetter? Kann ich zwischendurch waschen? Kann ich notfalls vor Ort Sachen kaufen? Ist es eine Flugreise, fahre ich mit dem Auto, dem Zug oder gehe ich wandern? Übernachte ich im Zelt, im Hotel, in einer Ferienwohnung? Brauche ich Kleidung für verschiedene Anlässe? Nehme ich Geschenke mit? Fragen über Fragen, die ich im Vorfeld so gut wie möglich beantworte. Ich lege mir Papier und Stift zurecht und schreibe die Dinge auf meine Packliste, die ich auf keinen Fall vergessen möchte. Damit erhöhe ich auch die Chancen auf gute Laune im Alltagspackspiel deutlich!

 

Eine andere Packliste

Was mich in letzte Zeit aber noch viel mehr beschäftigt, ist eine ganz andere Packliste: Was käme in meinen Koffer, wenn ich wirklich nur einen einzigen Koffer mitnehmen könnte?

Eine Frage, die sich alte Menschen (oder deren Angehörige) stellen müssen, wenn sie in ein Pflegeheim umziehen, in das sie außer Kleidung und ein paar persönlichen Gegenständen nichts mitbringen können.

Ich finde, es ist eine ganz, ganz wichtige Frage, die ich mir zu jedem Zeitpunkt in meinem Leben stellen kann. Bringt sie mich doch dazu, einmal darüber nachzudenken, was mir wirklich wichtig ist. Und was alles Beiwerk ist. Nettes Beiwerk, schönes Beiwerk, sinnvolles Beiwerk, aber eben nicht essenziell.

 

Meine persönliche Auswahl

Hier ist meine persönliche Auswahl, wenn ich heute packen müsste:

  1. Meine gelbe Wolldecke, die wir in England gekauft haben. Sie ist extra groß, aus 100 % Schurwolle, die NICHT kratzt, sie ist warm und umhüllt mich und ich habe immer eine Gefühlt von Geborgenheit.
  2. Ein kleiner Engel aus Speckstein. Ich habe ihm mal von meiner Kräuterfachfrau nach einen Kurs geschenkt bekommen. Er hat eine ganz freundliche Ausstrahlung, ist klein, nimmt nicht viel Platz weg und ich habe die Zeiten draußen im Wald und auf den Wiesen und im Kräuterstübchen bei Anke immer sehr genossen!
  3. Eine Wärmflasche müsste unbedingt mit, denn ich brauche Wärme.
  4. Kamel käme mit! Ein Steiff-Tier, das ich meinem ältesten Sohn geschenkt habe, als er so anderthalb war. Ich bin damals das erste Mal ohne ihn verreist und war 10 Tage weg. Irgendwie hat er dieses Kuscheltier gar nicht so gebraucht und ich habe Kamel im Laufe der Zeit adoptiert. Ich freue mich immer, wenn ich es sehe!
  5. Ich würde eine Kerze einpacken.
  6. Ein paar dicke, selbstgestrickte Socken.
  7. Ein Notizbuch und Stifte.
  8. Ein paar ausgewählte und hochwertige ätherischer Öle.
  9. Ein Fotoalbum mit allen wichtigen Stationen meines Lebens und der meiner Kinder hätte ich gerne dabei.
  10. Von jedem Kind etwas Selbstgebasteltes.
  11. Ein kleines Schaffellchen.

Das wären die wichtigsten Dinge. Also alles, was mir Wärme und Wohlbehagen bereitet. Wenn dann noch Platz im Koffer wäre, würde ich ihn mit ein paar Büchern auffüllen und meine Kopfhörer einpacken. Und wenn ich noch mehr Platz im Koffer hätte, fielen mir auch noch weitere schöne Dinge ein, über die ich mich freuen würde. Klaro.

 

Mein Fazit

Das Interessante für mich war, dass ich meine Liste ziemlich schnell zusammengestellt hatte. Und dass ich meine Sachen seither mehr zu schätzen weiß. Selbst die Dinge, die nicht mit auf die Liste gekommen sind. Es ist jetzt klarer für mich, welchen Stellenwert sie haben und warum.

 

Was würde auf deiner Liste stehen?

 

 

 

Das Reiseziel

Das Reiseziel

 

Das Reiseziel ist nie ein Ort, sondern eine neue Art, die Dinge zu sehen.

One´s destination is never a place, but a new way of seeing things.

Henry Miller

Radikales Ausmisten

Radikales Ausmisten

 

Wir haben unser Bad im Dachgeschoss radikal ausgemistet. Nicht nur ein paar Tübchen und Tiegelchen. Wirklich radikal! Die Vorbesitzer hatten es vor über 30 Jahren eingebaut und die Zeit war gekommen, es zu erneuern.

Ich bin gerne gründlich – alles musste raus. Wir haben uns sogar entschieden, den Wasserspeicher auszubauen, damit man an die darunterliegenden Fliesen drankommen, die alten entfernen und die neuen legen kann. Damit wir aber nicht so lange auf warmes Wasser verzichten müssen, ist das noch nicht geschehen, sondern wird in einer 2-Tage-Aktion über die Bühne gehen. Ein kleiner Rest der alten Fliesen liegt also noch unter dem Wasserspeicher, während die anderen Arbeiten schon weitergehen.

Gestern kam die neue Duschtasse. Um Unebenheiten im Boden auszugleichen, hat unser findiger Installateur offensichtlich kleine Stückchen dieser Fliesen abgeschlagen und unter die Füße der neuen Duschtasse gelegt. Gerade wird sie eingemauert, damit der Fliesenleger später die Fliesen drumherum legen kann. So viel zum Thema: ALLES muss raus. Ein kleines Stückchen des Alten bleibt und wird hier verewigt.

 

Ein kleines Augenzwinkern des Lebens

Wie das Sprichwort so sagt, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Das erlebe ich auch oft beim Ausmisten. Ganz unerwartet kommen Sachen zum Vorschein, mit denen ich nicht gerechnet habe. Manchmal sind es freudige Überraschungen. Oft werde ich mit bitteren oder traurigen Erinnerungen konfrontiert. Da hilft es dann auch nicht, die Dinge ganz schnell und einfach so verschwinden zu lassen, sie in den nächsten Müllsack zu schmeißen oder mit den Worten „Da kümmere ich mich später drum“  zurück in die Kiste zu stopfen, aus der sie gekommen waren. Diese Konfrontation kann das Ausmisten so anstrengend machen und emotional auslaugen. Gerade wenn ich mich lange nicht darum gekümmert habe. Es sind nicht die Dinge an sich. Es sind die noch nicht gewinnbringend verarbeiteten Erinnerungen. Gedanken und Gefühle, die ausgelöst werden, wenn mir diese Gegenstände wieder in die Hände fallen.

 

Licht ins Dunkel bringen

Ich bin erklärtermaßen eine große Verfechterin des Ausmistens und Aussortierens. Doch zuerst muss ich die Dinge anschauen. Es hilft ja nix. Deshalb bremse ich meine Kunden, wenn ich merke, dass da irgendetwas ist, das ganz schnell überdeckt werden soll; etwas, das noch nicht ganz stimmig ist. Dann frage ich nach, und wenn der Kunde damit einverstanden ist, halten wir den Gegenstand gegen das Licht und lassen die Sonne drauf scheinen. Wir sehen genauer hin: Was hat es damit auf sich? Ist es so schlimm wie befürchtet? Ist es gar nicht so arg? Ist es vielleicht sogar noch schlimmer als gedacht? Warum bin ich so angetriggert? Diese Fragen sind wichtig. Sonst kann es passieren, dass zwar der Gegenstand weg ist und alles ganz aufgeräumt erscheint, aber im Verborgenen das Ungelöste weiterwirkt. Nicht jede dieser Fragen kann schnell beantwortet werden. Darum geht es auch nicht. Niemand muss irgendwem etwas beim Aussortieren beweisen. Es dauert so lange, wie es braucht. Sich Zeit zu nehmen ist wahrlich kein Fehler!

 

Nicht alles Alte ist unbrauchbar

Die Frage, was mit unserer alten Fliese passiert, konnte ich allerdings sehr schnell beantworten: Sie bleibt, denn sie wurde gewinnbringend verarbeitet – Sie trägt zukünftig zu einem ausbalancierten Duscherlebnis bei.

 

Schön kommt später

Schön kommt später

 

Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus, denn bei uns geben sich die Handwerker seit einiger Zeit die Klinke desselben in die Hand. Wir bauen um und renovieren. Und das gründlich und bei laufendem Betrieb.

Da heißt es: planen, entscheiden, koordinieren, Sachen von einem Zimmer hin- und wieder zurückschleppen, warten und die kleineren und größeren Baustellen gelassen hinnehmen, bis sie an die Reihe kommen. Denn oft ist es nicht eine Frage, OB etwas getan wird, sondern WANN. So auch in unserem Haus.

Als wir vor 17 Jahren hier einzogen, waren die beiden älteren Kinder noch klein und unser Jüngster noch nicht einmal auf der Welt. Vor dem Umzug hatten wir zwar schon einiges gemacht und auch zwischendurch haben wir immer mal wieder das eine oder andere erneuert und verändert. Manche Projekte mussten allerdings zurückstehen und es war klar: Schön kommt später. Wir hatten andere Themen auf dem Zettel.

Man kennt es. Nicht immer sind die Ressourcen da und Zeit, Geld und die eigene Energie sind knapp, die passenden Handwerker nicht in Sicht oder es fehlen generell die Ideen.

Doch nun ist es soweit: Später ist jetzt! Und es wird geklopft, gehämmert, gebohrt, getan und gemacht. Es ist so eine Freude und Wohltat zu sehen, wie alles wieder frisch und wie neu wird!

 

Neuausrichtung für die nächste Lebensphase

Auf unserem Renovierungsrundgang durchs gesamte Haus nehme ich wirklich jedes Teil in die Hand, manchmal mehrfach. Ich mache eine gründliche Inventur und unser Heim und das gesamte Inventar bekommen ein Update. Und es wird nicht nur unser Haus instand gesetzt. Auch ich ordne mich. Wir als gesamte Familie sortieren uns neu und stellen uns anders auf. Die Lebensabschnitte Familiengründung und (Klein)Kindphase sind definitiv abgeschlossen und zur Schule geht nur noch der Jüngste. Der Nachwuchs steht zwar noch nicht komplett auf eigenen Füßen, aber alle drei sind auf dem besten Wege dorthin. Jetzt entsteht etwas Neues und das zeigt sich im Außen wie im Innern.

Während der Durchsicht der Dinge verabschiede ich noch das eine oder andere Teil. Viel ist es nicht mehr. Jetzt geht es eher darum, jedem Teil bewusst seinen festen Platz zu geben. Ein neuer Schrank und ein neues Regal leisten gute Dienste. Mal schauen, was sich im Keller noch so findet. Da wird ein bisschen mehr auszusortieren sein.

Bei so viel Gewerkel und Umbau kommt es mir ganz gelegen, dass es zwischendurch kleinere und größere Pausen gibt. Ich kann nachbereiten, den nächsten Abschnitt vorbereiten, durchatmen und die ganzen Veränderungen wirken lassen.

 

 

 

 

 

 

Zu Neujahr

Zu Neujahr

 

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

 

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Wilhelm Busch (1832 – 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller